Am 26. Mai lief ich von Navarrete nach Santo Domingo de la Calzada. Das war meine bisher grösste Etappe die ich an einem Tag marschiert bin. Ganze 40 Kilometer durch stetig wechselnde Landschaftsbilder.
Als ich an Ciriñuela vorbeilief, das wenige Kilometer vor Santo Domingo liegt, wurde mir zum ersten Mal bewusst was eine Immobilienkrise für Auswirkungen hat. Die Spekulation der Banken führte dazu, dass ein unbedeutendes Dorf von 50 Einwohner zu einer leeren Stadt herangewachsen ist. Ein riesen Golfplatz und im Zentrum des Dorfes ein riesiger gepflegter Garten mit einem Schwimmbad. Hunderte leere Häuser und Blöcke bei denen die Rollläden unten sind und der Vorgarten am verwildern ist. Alles steht zum Verkauf, jedoch wer will schon in einer leeren Stadt wohnen? Wie viele arbeitslose Menschen gibt es? Wie viele obdachlose Menschen gibt es?
Wie weit sind wir schon gegangen um so etwas zuzulassen? Wo ist die Vernunft geblieben? Wo die Ethik und Moral?
Am 27. Mai lief ich von Santo Domingo nach Belorado.
Ein Dorf vor Belorado machte ich einen Halt in Villamayor de Rioja. Ich ging in ein Restaurant das sehr vornehm Aussah. Am Eingang waren sehr viele Hausordnungen. Wie zum Beispiel Rucksack draussen lassen und Ärmelloseshirts sind nicht gestattet. Ich hatte natürlich ein solches Shirt an und fragte den Patron ob es möglich sei draussen vor der Tür ein Bier zu trinken damit ich nichts anziehen musste. Der Patron Javier bot mir dann auf einmal einen Platz an und ich durfte mein Bier trotz meinem Shirt bei ihm trinken. Wir kamen ins Gespräch auf Französsisch und Spanisch. Er sagte mir, er führe dieses Restaurant seit 36 Jahren. Habe schon sehr viele Pilger gesehen und er sehe es in den Augen der Menschen ob sie gute Menschen sind. Ich durfte mich in seinem seit 36 Jahren geführten Gästebuch eintragen. Mein Manifest ist nun in diesem Buch verewigt und nur für die Auserwähltengãste ersichtlich. Er gab mir ein Kompliment das ich zum ersten Mal von jemandem gehört habe. Wir haben uns einmal gesehen und er hat das Gefühl ich sei sehr authentisch. Ich hab Javier in mein Kreis aufgenommen wie er mich in sein Reich gelassen hat. Besten Dank Javier für die herzliche Aufnahme.
Am 28. Mai ging es von Belorado nach San Juan de Ortega.
Zum ersten Mal konnte ich eine Schlange entdecken, Sie verzog sich umgehend als Sie meine Schritte verspührte. Desweiteren habe ich einen Maulwurf gesehen. Interessante begegnungen gab es mit 2 jungen Herren aus Ungarn. Sie spielten Guitarre und sangen am Abend lieder aus allen Musikrichtungen. Ich sprang mit ein und machte Beat zur Musik. Es war eine super angenehme Atmosphäre mit einer grossen Ansammlung von freundlichen Menschen. Die Sangen und tanzten zur Musik.
Am 29. Mai ging es nach Burgos.
Die Stadt ist riesig und hat sehr viele Sehenswürdigkeiten. Die Pinchos hier sind köstlich. Das Abendessen nahm ich mit Gérard(Belgier) und Thomas(Deutscher) ein. Es war ein toller Abend. Wir tranken auf den Geburtstag von Thomas. Gérard offerierte das Abendessen.
Gérard nahm an diesem Tag den Bus nach Burgos und war so freundlich mir ein Zimmer zu reservieren im gleichen Hotel wie er einkehrte. Er bezahlte das Zimmer bereits und nach mehrmaligem Nachfragen was ich ihm schulde für die Übernachtung wollte er kein Geld von mir. Ich sei ein sehr sympathisher Mensch und ich hätte ihm bereits genug gegeben. Es sei für ihn ein Geschenk gewesehn, mich auf dem Weg kennengelernt zu haben und immer wieder unterwegs angetroffen zu haben. Es war und ist mir nicht Recht das Gérard mir das bezahlte. Ich liess es bleiben darauf zu bestehen und erneut Nachzufragen. Besten Dank auf jedenfall du bist ein super Kerl, man sieht sich in Brüssel.
Am 30. Mai ist mein Ruhetag in Burgos. Meine Füsse nehmen das Geschenk gerne entgegen. Meine Brille Bralla erholt sich einen moment im Zimmer.